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Alte Maße und Abkürzungen in handschriftlichen Rezepten und Dokumenten

Wenn Sie ein altes Kochbuch oder ein altes Dokument entziffern, ist die gotische Schrift nur die eine Herausforderung. Die andere sind die alten Maße und Abkürzungen, die niemand mehr verwendet. Dieser Artikel hilft Ihnen, sie zu verstehen – damit Sie die Zeilen sowohl lesen als auch begreifen können, was sie eigentlich bedeuten.

Alte dänische Maße

Vor dem metrischen System verwendete man Maße wie Pfund (pund) (ca. 500 g), Lot (lod) (ca. 15,6 g), Quint (kvint) und Pægl (ein Hohlmaß für Flüssigkeiten, ca. 0,24 Liter). In Rezepten steht oft »ein halbes Pfund Butter« oder »eine Pægl Sahne«. Die Umrechnung zu kennen ist entscheidend, wenn Sie Großmutters Kuchen nach dem Original backen wollen.

Das System passt gut zusammen, wenn man erst einmal die Bausteine kennt. Ein Pfund wurde in 32 lod geteilt und jedes Lot in 4 kvint – so reichte das Gewicht vom Großen bis hinunter zu den ganz kleinen Gewürzmengen. Flüssigkeiten wurden in Pægl, Pot und Kande gemessen, während trockene Waren wie Mehl und Korn in Scheffel (skæppe) und Tonne (tønde) gemessen wurden. Hier sind die wichtigsten alten dänischen Maße zusammengestellt:

  • Gewicht: 1 pund ca. 500 g · 1 pund = 32 lod (1 lod ca. 15,6 g) · 1 lod = 4 kvint (1 kvint ca. 4 g)
  • Hohlmaß (Flüssigkeiten): 1 pægl ca. 0,24 Liter · 1 pot ca. 0,97 Liter (1 pot = 4 pægle) · 1 kande = 2 potter
  • Trockenwaren: Mehl und Korn wurden in skæppe und tønde gemessen (1 tønde = 8 skæpper)
  • Länge: 1 alen ca. 0,63 m · 1 alen = 2 fod · 1 fod = 12 tommer

Vergleichen Sie die Zahlen mit den »Pfund« und »Lot«, die deutsche und schwedische Verwandte verwendeten, werden Sie kleine Unterschiede von Land zu Land entdecken. Stehen die Begriffe in einer Mischung aus dänischer und gotischer Schrift, kann es helfen, unseren Leitfaden zum Entziffern gotischer Schrift daneben zu lesen.

Typische Abkürzungen

Weil derjenige, der schrieb, es für sich selbst tat, wimmeln alte Rezepte von Abkürzungen, die nie erklärt werden: »Spsk.« für Esslöffel, »tsk.« für Teelöffel, »Pd.« für Pfund. Mengenangaben sind oft vage – »nach Belieben« oder »wie gewohnt« steht dort, wo heute eine genaue Anweisung stünde.

Das Gute ist, dass dieselben Abkürzungen in alten Rezepten von Haus zu Haus wiederkehren. Wenn Sie erst einmal eine Handvoll davon gelernt haben, liest sich der Rest fast von selbst. Die häufigsten sind:

  • Pd. = Pfund
  • Lod = Lot (ca. 15,6 g)
  • Kvt. oder Kvint = Quint (ca. 4 g)
  • Pgl. = Pægl (ca. 0,24 Liter)
  • Spsk. = Esslöffel
  • tsk. = Teelöffel

Wenn die Menge »nach Belieben« ist

Unsere Urgroßmütter kochten nach Hand und Geschmack, nicht nach Gewicht. Deshalb stoßen Sie oft auf ungenaue Mengen wie »eine Prise Salz«, »Zucker nach Belieben« oder »so viel Mehl, wie der Teig aufnehmen kann«. Das ist keine Schlamperei – es ist eine Köchin, die damit rechnete, dass die Leserin selbst am Herd gestanden hatte. Wenn Sie das Rezept heute abschreiben, lohnt es sich, diese Wendungen wörtlich zu notieren und sich beim ersten Mal selbst heranzutasten.

Geld in Abrechnungen und Erbteilungen

Maß und Gewicht tauchen nicht nur in der Küche auf. Begegnen Ihnen alte Abrechnungen, Haushaltsbücher oder eine Erbteilung (skifte) nach einem verstorbenen Verwandten, werden Sie auch die Münze jener Zeit sehen. Vor 1875 rechnete man in Reichstaler (rigsdaler), Mark und Schilling. 1875 wurden diese durch Krone und Öre abgelöst, die wir heute kennen.

Für den Ahnenforscher sind die Beträge Gold wert: Sie erzählen, was ein Hof, eine Kuh oder eine Brauttruhe wert war und wie das Erbe unter den Kindern geteilt wurde. Eine Erbteilung kann auf diese Weise ein ganzes Bild davon zeichnen, wie wohlhabend die Familie war. Wollen Sie sich mit den Schreibweisen in solchen Dokumenten vertraut machen, dann schauen Sie bei unserem Artikel über alte dänische Rechtschreibung vorbei.

Ofentemperatur ohne Thermometer

Eine weitere Sache, die moderne Leser verwirrt, ist, dass in den alten Rezepten nie Grade angegeben werden. Das ging auch gar nicht – man backte in Holzöfen und gemauerten Backöfen, in denen die Hitze mit Erfahrung gesteuert wurde, nicht mit einem Knopf. Statt Zahlen bekommen Sie Anweisungen wie »backe ihn bei gleichmäßiger Hitze«, »bis er hellbraun ist« oder »in einem gut vorgeheizten Ofen«.

Wollen Sie dem Original folgen, müssen Sie die Empfindungen in moderne Grade übersetzen: »gleichmäßige Hitze« entspricht ungefähr 175–200 °C, während »starke Hitze« höher lag. Ein guter Rat ist, auf Farbe und Duft zu achten, genau wie Großmutter es tat – das ist immer noch die zuverlässigste Art zu wissen, wann der Kuchen fertig ist.

Als das metrische System kam

Der Grund, warum all diese Maße heute fremd wirken, ist, dass Dänemark Anfang des 20. Jahrhunderts zum metrischen System überging – es wurde ab 1912 gesetzlich vorgeschrieben. Gramm, Liter und Meter lösten Pfund, Pægl und Elle ab. Deshalb finden Sie oft die Rezepte der älteren Familie in Pfund und Lot geschrieben, während die der jüngeren Generationen in Gramm notiert sind. Sehen Sie beides im selben Buch, haben Sie nahezu einen kleinen Zeitstempel auf jedem Rezept.

Mehr als Essen

Ein handgeschriebenes Kochbuch ist oft auch eine Familienchronik, mit Notizen, Daten und Grüßen zwischen den Rezepten. Ein Zusatz wie »Großmutters Weihnachtskuchen, 1923« oder »Gemacht zu Annas Hochzeit« macht die Seite zu einem Stück Familiengeschichte und nicht bloß zu einer Kochanweisung. Lesen Sie mehr auf unserer Seite über das Entziffern alter Rezepte.

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