Alte dänische Rechtschreibung: Aa, Å und Substantive mit großem Anfangsbuchstaben
Wenn Sie alte dänische Dokumente lesen, stoßen Sie schnell auf Schreibweisen, die für heutige Augen falsch aussehen: »Aar« statt »år«, und Substantive wie »Manden« und »Huset« großgeschrieben. Das sind keine Fehler – es ist die korrekte Rechtschreibung der damaligen Zeit. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Unterschiede und hilft Ihnen, die alte dänische Rechtschreibung zu verstehen, damit Sie Briefe, Kirchenbücher und Urkunden mit größerer Sicherheit lesen können.
»Aa« statt »Å«
Der Buchstabe Å wurde erst mit der Rechtschreibreform 1948 offiziell ins Dänische eingeführt. Davor schrieb man den Laut mit Doppel-a: »Aar« (Jahr), »Maal« (Ziel), »paa« (auf). Wenn Sie einen Text von vor 1948 entziffern, müssen Sie also mit »Aa« rechnen – und eine gute Transkription bewahrt es, damit der Text dem Original treu bleibt.
Das Doppel-a begegnet Ihnen überall in älteren Texten, und es taucht besonders in Orts- und Hofnamen auf, wo die Schreibweise oft bis weit in die neuere Zeit haften bleibt. Hier sind einige der häufigsten Wörter, die Sie wiedererkennen werden, mit der modernen Form in Klammern:
- »Aar« (Jahr) – z. B. »i Aaret 1872« (im Jahre 1872)
- »Maal« (Ziel) und »Maaned« (Monat)
- »Gaard« (Hof) – z. B. »Bondegaarden« (der Bauernhof) oder der Ortsname »Nørregaard«
- »paa« (auf) – eines der allerhäufigsten Wörter in alten Briefen
- »Kjøbenhavn« (Kopenhagen) – mit »Kj« und »øb« auf alte Weise geschrieben
Beachten Sie, dass viele Nachnamen und Ortsnamen bis heute das alte »Aa« bewahren – denken Sie an »Aabenraa« und »Aalborg«. Das ist eine bewusste Tradition, und deshalb ist »Aa« für sich genommen kein sicherer Beweis dafür, dass der ganze Text alt ist. Es ist die Gesamtheit der Merkmale, die zählt.
Substantive mit großem Anfangsbuchstaben
Bis zur Reform 1948 wurden alle Substantive mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben – wie im Deutschen heute. »Manden gik over Marken til Kirken« (Der Mann ging über das Feld zur Kirche) stünde also mit drei Großbuchstaben da. Das ist eines der deutlichsten Kennzeichen dafür, dass ein Text alt ist, und es ist wichtig, das zu wissen, damit man es nicht als zufällige Schreibweise fehldeutet.
Für den ungeübten Leser mag das verwirrend wirken, doch die Regel ist eigentlich eine Hilfe: Wenn Sie »Huset«, »Kjole« oder »Barnet« mitten im Satz großgeschrieben sehen, wissen Sie, dass es ein Substantiv ist und dass der Text der alten Norm folgt. Das erleichtert es, Wörter voneinander zu unterscheiden in einer dicht geschriebenen Handschrift, in der die Buchstaben sonst ineinander verfließen können.
Ältere Merkmale der Schrift vor der Reform
Je weiter Sie zurückgehen, desto mehr Besonderheiten begegnen Ihnen. Vor 1948 – und besonders in Texten aus dem 18. und 19. Jahrhundert – war die dänische Rechtschreibung von einer Reihe von Mustern geprägt, die gut zu kennen sind, wenn Sie sich mit Ahnenforschung in gotischer Schrift beschäftigen.
Doppelkonsonanten und »kj«/»gj«
Älteres Dänisch verwendete oft mehr Doppelkonsonanten, als wir es heute tun, und bestimmte Konsonantenverbindungen sahen anders aus. Besonders »kj« und »gj« vor weichen Vokalen sind charakteristisch: man schrieb »Kjøbenhavn«, »Kjole«, »Kjærlighed« und »gjøre«, »gjemme«. Das stumme »j« verschwand im Laufe des 20. Jahrhunderts allmählich, hielt sich aber am längsten in Namen.
Deutsche Lehnwörter und Kanzleisprache
Die dänische Verwaltung und Kirchensprache waren jahrhundertelang stark vom Deutschen beeinflusst, und das hinterlässt Spuren im Wortschatz. In Kirchenbüchern und amtlichen Dokumenten stoßen Sie auf Lehnwörter und Wendungen aus dem Deutschen, und das ist einer der Gründe, warum die Substantive großgeschrieben wurden – eine Konvention, die direkt aus der deutschen Schrifttradition kam.
Das lange »ſ«
In den ältesten gedruckten und handgeschriebenen Texten begegnen Sie vielleicht dem langen s – dem Zeichen »ſ«, das einem f ohne Querstrich ähnelt. Es wurde am Anfang und in der Mitte von Wörtern verwendet, während das runde »s« am Ende stand. Für den Ungewohnten kann es leicht mit einem f verwechselt werden, daher lohnt es sich, darauf zu achten, wenn Sie eine ältere Seite entziffern.
Die Rechtschreibung war oft individuell
Ein wichtiger Umstand, den man im Hinterkopf behalten sollte, ist, dass die Rechtschreibung nicht so fest und einheitlich war wie heute. Besonders vor den ersten offiziellen Rechtschreibregeln konnte die Schreibweise von Schreiber zu Schreiber variieren – ja, sogar innerhalb desselben Dokuments. Ein Küster oder Pfarrer konnte dasselbe Wort auf zwei Weisen auf derselben Seite schreiben, und Personennamen treten oft in mehreren Varianten auf: »Anne« und »Ane«, »Jens« und »Jæns«. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern Ausdruck dessen, dass eine gemeinsame Norm sich noch nicht durchgesetzt hatte. Wenn Sie nach einem bestimmten Vorfahren suchen, kann es sich daher lohnen, breit zu suchen und mehrere Schreibweisen desselben Namens zu akzeptieren.
Die Reform 1948
Die Rechtschreibreform vom 1. Oktober 1948 veränderte die dänische Schriftsprache erheblich. Sie führte drei große Änderungen ein, die zusammen erklären, warum Texte von vorher und nachher so verschieden aussehen:
- Substantive bekamen einen kleinen Anfangsbuchstaben. Die deutsche Tradition mit großgeschriebenen Substantiven wurde aufgegeben, sodass »Manden« und »Huset« zu »manden« und »huset« wurden.
- Aus »Aa« wurde »Å«. Der neue Buchstabe ersetzte das Doppel-a, sodass »Aar« zu »år« und »paa« zu »på« wurde – auch wenn viele Eigennamen die alte Schreibweise behalten durften.
- Die Verbformen »kunde«, »skulde« und »vilde« wurden modernisiert zu »kunne«, »skulle« und »ville«.
Texte von vorher und nachher sehen daher auffallend verschieden aus – ein nützlicher Anhaltspunkt, wenn Sie ein undatiertes Dokument datieren wollen.
So nutzen Sie die Rechtschreibung, um ein Dokument zu datieren
Viele alte Briefe und Papiere tragen kein Datum. Hier wird die Schreibweise selbst zum Werkzeug: indem Sie betrachten, welcher alten dänischen Rechtschreibung der Text folgt, können Sie einen ungefähren Zeitraum eingrenzen. Achten Sie besonders auf diese Anzeichen für das Alter:
- Großgeschriebene Substantive mitten im Satz deuten auf einen Text von vor 1948 hin.
- »Aa« in gewöhnlichen Wörtern wie »paa« und »Aar« (nicht nur in Namen) deutet auf die Zeit vor der Rechtschreibreform 1948 hin.
- »kunde«, »skulde«, »vilde« statt »kunne«, »skulle«, »ville« deuten ebenfalls auf die Zeit vor 1948 hin.
- »kj« und »gj« wie in »Kjøbenhavn« und »gjøre« deuten auf das 19. Jahrhundert oder früher hin.
- Das lange »ſ« und viele deutsche Lehnwörter deuten auf die ältesten Schichten hin, typischerweise das 18. Jahrhundert und davor.
Keines der Anzeichen steht für sich allein, aber zusammen ergeben sie ein Bild. Wenn Sie sie mit Papiersorte, Tinte und dem Stil der Handschrift selbst kombinieren, können Sie oft nahe an eine Jahreszahl herankommen – eine Methode, die Gold wert ist, wenn Sie mit Kirchenbüchern und Volkszählungen ohne klare Daten arbeiten.
So kommen Sie weiter
Die alte Rechtschreibung zu kennen macht einen großen Unterschied, doch die gotische Handschrift selbst ist oft die größte Herausforderung. Wollen Sie üben, die Buchstaben selbst zu lesen, kann Ihnen unser Leitfaden zum Entziffern gotischer Schrift nützlich sein, der das Alphabet Schritt für Schritt durchgeht. Und wenn Sie eine konkrete Seite ausprobieren möchten, können Sie ein Foto hochladen und den Text sofort entziffern lassen.
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